Altonaer Antiquariat

Altonaer Antiquariat

Ende letzten Jahres bin ich, wie häufig in der Mittagspause, durch die altonaer Fußgängerzone geschlendert und habe ein beschriftetes Stück Pappe mit der Aufschrift »Antiquariat« bemerkt. Ich folgte dem Schild und fand ein weiteres unscheinbares Schild über einer Eingangstür hängen, auf dem »Bücher« stand. Ich ging hinein und musste mich häufig quer stellen und gut aufpassen wohin ich trete um durch das Bücher-Wirrwarr zu kommen. Alles voll gestellt mit Büchern, ob auf dem Boden, in Bücherregalen die bis zur Decke ragten oder provisorisch auf Sitzgelegenheiten. Der Duft von alten Büchern stieg einem in die Nase, im Hintergrund lief leise und zurückhaltend klassische Musik. Ein alter Mann sagte neutral »guten Tag«. Auf die Frage ob er Hermann Hesse habe, antwortete er spöttisch und bejahte. Ich habe mein Buch gefunden und trotz dem, auf den ersten Blick nicht gerade freundlichen aber sehr authentischen  alten  Mann, fühlte ich mich wohl.

Seit letztem Jahr besuche ich das Antiquariat in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder und werde immer fündig. Von Kafka bis Hesse sind alle klassischen Werke vertreten. Der Besitzer des Antiquariats, neigt dazu, in seinen Augen »blöde« Fragen, spöttisch und mit einem ironischen Unterton zu beantworten. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen ist er mir sympathisch. Einmal waren noch weitere Kunden mit mir im Antiquariat und ich war sehr gespannt wie diese wohl auf den Besitzer reagieren würden. Die Diskussion die aus scharfen, spöttischen Antworten des alten Mannes entsprang, war sehr amüsant.

 

Ich habe den Besitzer des Antiquariats gefragt, ob ich einen Blogbeitrag über seinen Laden machen darf. Er erwiderte mit »tun sie, was sie nicht lassen können, wenn es kurz und schmerzlos ist«. Im Gespräch habe ich erfahren, dass er Herr Tidemann heißt. Er machte eine Ausbildung zum Antiquariatsbuchhändler, nach einigen Jahren hat sich dann die Gelegenheit ergeben und er hat sich selbstständig gemacht in Altona. Seit nun 32 Jahren besitzt er den charmanten Buchhandel, jedoch läuft es in den letzten zehn Jahren nur noch schleppend. Man kann nur noch schwer davon leben, ein Taschenbuch kostet in der Regel 3-4€ weniger als in einem Buchladen. Es heißt, die Menschen heutzutage sind nicht mehr interessiert in klassische Werke und Dichter der Vergangenheit, umso schwieriger ist es seine Bücher zu verkaufen. Es ist ein Existenzkampf der Kraft und Nerven kostet.

Große Erzähler des 19. Jahrhunderts gehören mit zu den Lieblingsautoren von  Herrn Tidemann, der jedoch durch die Misere im Antiquariat die Lust am Lesen verloren hat.

 

Eingang des AntiquariatsBücher auf einem Sessel gestapelt

TaschenbuchhaufenTelefon und Kasse

Bücherregale die Durchgänge bilden

Weitere Bücherregale

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