Identifikation mit der Außenwelt

Identifikation mit der Außenwelt

Heutzutage kann man immer mehr beobachten wie sich Menschen um einen herum mit einer Sache identifizieren und ihr Selbstwertgefühl durch diese Sache beziehen. Auf den ersten Blick mag einer denken »das ist ok« oder »warum nicht?!«. Jedoch ist mit dieser Identifikation, der Grundstein gelegt um auf kurz oder lang unzufrieden zu sein. Es besteht eine verrücktes Selbstbild.

Arten der Identifikation

Ein junger Mann kommt vorgefahren in einem teuren Sportauto. Mit breiter Brust steigt er aus und badet sich in der Bewunderung, davon ist mehr Selbsteinbildung als eigentlich da ist. Wer ist dieser Mann ohne dieses Auto? Wäre sein Gang immernoch so stolz und überheblich, seine Selbstsicherheit immernoch so unerschütterlich? Versteht mich bitte nicht falsch, es ist schön, tolle Dinge zu haben, zu machen, oder zu können. Jedoch sollte man drauf achten, dass man diese Dinge nur benutzt, nicht mehr und nicht weniger. Eine buddhistische Freundin erzählte mir, dass sie ein schönes Beispiel im Buddhismus für diese Identifikation haben: »Wenn jemand ein Floß baut um über einen Fluss zu kommen, lässt er das Floß im Fluss zurück. Wie Banal wäre es denn diesen Balast auf dem Land weiterhin mitzunehmen und hinter sich her zu ziehen« Viele Menschen ziehen Dinge hinter sich her, die sie gar nicht mehr brauchen und benötigen, wir haben von fast allem mehr als wir brauchen, bis auf den nötigen Verstand, wenn es um vernünftiges und logisches Denken geht. Das Problem fängt erst an sobald man anfängt sich damit zu Identifizieren, man hat ein Bild von sich im Kopf, dass es um alles zu verteidigen gilt. Wehe, jemand kratzt an diesem Bild, dass man von sich hat. Bei dem jungen Typen wäre das Bild gekoppelt an sein Auto, ein: »ich mag dein Auto nicht« wäre genau so wie ein: »ich mag dich nicht«. Für diese Person ist das Auto ein Teil von ihm geworden.
Das gleiche gilt für Vereine, Städte, Länder und ganze Nationen. Viele Menschen brüsten sich mit ihrer Nationalität, wenn dieses zu extrem wird und außartet, kann es fatale Folgen haben, so wie man es in der Vergangenheit beobachten konnte. Vieles wird übernommen von großen Brüdern, Eltern, Familien, Vorbildspersonen aus den Medien, ohne es eigentlich für sich selbst zu hinterfrage. Warum preise ich, dieses Land über alles hoch? Sind Menschen im Kern nicht alle gleich? Egal wo sie herkommen und in welchem Land sie leben, zumal sich viele letzteres nicht aussuchen können. Diese Trennung zwischen Nationen und Religionen hat bis her nichts als Leid gebracht.

Diese Identifikationsbeispiele können endlos fortgeführt werden. Menschen die sich mit ihrem Aussehen und ihrem Körper identifizieren, ihrem Partner, ihem Job und Einkommen, andere die sich mit einem bestimmten Lifestyle und Lebensart identifizieren, und wieder andere die sich vielleicht mit etwas identifizieren, was sie besonders gut beherrschen. Und wehe es kommt jemand und »greift« das Objekt der Identifikation an, es steht dem gleich, wie wenn man die Person »angreift«.

Probleme der Identifikation

Nun zum Problem der Identifikation. Man baut sich eine Welt auf die an äußere Dinge gebunden ist. Alles in dieser Außenwelt ist vergänglich. Das Leid auf langer sicht ist vorprogrammiert. Ganz zu schweigen davon, wie verrückt die Welt heutzutage ist. Wir stellen alles andere in der Außenwelt über uns selbst. Daran erkennt man sehr wie wenig Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen in sich selbst und in dem Leben da ist. Man braucht Dinge um zu kompensieren und sich »wohl« zu fühlen. Dieses »wohlfühlen« jedoch ist auf Sand gebaut. Je mehr Dinge man hat an die man sich bindet und mit denen man sich identifiziert, desto unruhiger, unsicherer und ängstlicher wird das Leben von einem. Je Tiefer man drin ist, desto schwerer ist es ein Auge dafür zu bekommen, wie sehr man sich in die falsche Richtung verrennt. Gerade in einer Gesellschaft, die sehr auf dem Phänomen Identifikation aufgebaut ist, ist es nicht leicht, nicht ein weiteres Schaf in der Herde zu sein, ohne eigentlich wahrzunehmen, dass man eins ist.

Folgen

Die Folgen dieser Extremen Identifikation kann man auch sehr gut beobachten. Viele Leute »besitzen« etwas, oder glauben es zu besitzen, wenn man genauer hinschaut, besitzt die Sache die sie glauben zu besitzen, diese Menschen. In anderen Bereichen wird man unfähig zu Kritik, wenn jemand eine Sache kritisiert, kommt es schnell dazu das man den Faden verliert und eine lange Argumentation ausgelöst wird, die sich nicht selten immer weiter heraufschaukelt. Jede Argumentation die länger als ein paar Minuten geht, dient nicht der Wahrheitsfindung, oder Problemlösung, sondern des Egos der Argumentierenden. Es geht nur noch um einen selbst, um das verteidigen seines Standpunktes und der Sache mit der man sich identifiziert. Menschen bekommen Probleme mit dem Altern, weil sehr viel Selbstwertgefühl in der Vergangenheit aus dem Aussehen bezogen wurde. Dieses kann man häufig bei Schauspielern beobachten, bei denen Altern und Schönheits-OP’s häufig Hand in Hand gehen. Kurz gesagt: Die Komplette Welt die man sich aufbaut über Identifikation, ist unsicher, da alles vergeht. Man jagd dem hinterher und es geht sehr viel mit Ego einher und damit, sich permanent von der besten Seiten zu zeigen um annerkannt und aktzeptiert zu sein da draußen.

Lösung

Diese Dinge zu beobachten und nachvollziehen zu können sind der erste Schritt in die richtige Richtung. Man sollte nach innen kehren und sich besinnen ohne äußere Einflüsse. Dieses geht unter anderem auch durch Meditation. Sich im klaren darüber sein, wer man ist, tief im inneren, was man selbst eigentlich möchte, nicht was die Gesellschaft, die Außenwelt, die Familie oder die ganzen anderen Konventionen von einem erwarten. Zu wissen, dass man gut ist wie man ist, ohne sich ständig mit jemandem zu vergleichen, es gibt immer Menschen die ein größeres Auto haben, die eine Sache besser können, oder mehr verdienen, Gedanken dieser Art können nicht zuende gedacht werden, sondern sind ein nie endender Teufelskreis. Sich bewusst beobachten, im Umgang mit der Außenwelt und mit sich selbst, ohne dabei in Emotionen und Urteilen zu verfallen. Diese Dinge aktiv leben, verhelfen einem nach und nach dazu klar zu sehen, wie die Dinge sind. Seine Selbstsicherheit und sein auftreten nicht anhand äußerer Dinge fest machen, sondern wie das Wort schon sagt, aus einem selbst heraus. Das kann einem keiner nehmen, wie denn auch, es passiert im innen. Zu wissen, dass man Besucher ist auf der Welt für ca. 70-80 Jahre, im idealfall, und so erfüllend wie möglich zu leben, ohne die ständige Angst des Versagens, oder der ständige Kampf »jemand zu sein«. Erst das entfaltet Kräfte die man vorher nicht gekannt hat, die einem keiner nehmen kann, weil sie nicht an äußeren Dingen gebunden sind. Man löst sich vonden ganzen Fesseln, die einem Dinge machen lassen, weil jeder sie einfach macht und man glaubt es sei »normal«. Man wird neugierig und fängt an die »normalsten« Dinge zu hinterfragen. Erst in diesem Stadium des Bewusstseins, ist innovatives und revolutionäres Denken möglich.

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