Teil 1: Mein Jakobsweg: Camino de la Costa / Norte

Teil 1: Mein Jakobsweg: Camino de la Costa / Norte

Am 19.04.2013 bin ich direkt nach der Arbeit in den Flieger nach Bilbao, Spanien um von dort aus meinen 700KM langen Jakobsweg bis Santiago de Compostela anzutreten. Ein intensiver Monat, reich an Erfahrungen, Bekanntschaften und schöner Natur, ist vorüber gegangen. Im folgenden Beitrag, versuche ich so gut es geht, mitzuteilen wie es mir dabei ergangen ist und was ich so erlebt habe.


Der Jakobsweg ist ein Pilgerweg dessen Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht, viele Menschen pilgerten zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela. Wenn vom Jakobsweg die Rede ist, meint man in der Regel den Hauptweg »Camino Frances«, der von Frankreichs Saint-Jean-Pied-de-Port bis Santiago de Compostela geht. Ich habe mich für den Camino de la Costa / Norte entschieden. Diese Strecke geht offiziell von Irun bis Santiago de Compostela. Dieser Weg führt durch Nordspanien, an der Küste entlang, erst ab Galicien führt die Strecke in das Landesinnere Richtung Santiago de Compostela. Ab da heißt die Strecke nicht mehr Camino de la Costa, sondern Camino de la Norte.

Erste Woche

Die erste Woche, geprägt von anfänglicher Euphorie und Faszination der Natur besonders dem Meer gegenüber, war ein guter Einstieg. Da es gerade im Baskenland keine Seltenheit ist regen über längere Zeiträume zu haben, besonders im April, habe ich das schöne Wetter um so mehr geschätzt. Viele Etappen führten direkt am Meer und an Küsten entlang. Durch meinen Reiseführer, konnte ich auch einige unoffizielle Routen nehmen, die etwas anspruchsvoller waren, dafür aber um so mehr entschädigten mit atemberaubenden Aussichten. Den Großteil der Etappen bin ich alleine gelaufen, es kam selten vor, dass man andere Pilger unterwegs getroffen hat. Erst abends in den Herbergen hat man andere Leute angetroffen und konnte sich unterhalten, wenn es die Sprachbarriere dann zugelassen hat. In der ersten Woche wollte ich eigentlich nichts überstürzen und habe es langsam angehen lassen. Am 4. Tag kam es jedoch dazu, dass ich 41KM zurücklegte, da die angesteuerte Pilgerherberge in Noja voll war, dann bin ich weitere 16KM bis nach Güemes gelaufen, ich war sehr erschöpft, jedoch war die Herberge umso schöner. Die Nächstenliebe und das Verständnis auf die man fast immer den ganzen Weg über gestoßen ist, war sehr schön. Einige Herbergen wurden auf Spendenbasis geführt, unter anderem auch die in Güemes, die mit eines der schönsten öffentlichen Herbergen war. Dort habe ich Klaudia kennen gelernt, ein junges Mädchen, dass den Jakobsweg auf ihrem elektrischen Rollstuhl zurücklegt, mithilfe ihres guten Freundes und Betreuers Marco. Als sie mir ihre Geschichte erzählte, dass sie an Muskelschwund leidet und nicht genau weiß wie hoch ihre Lebenswartung ist, und gerade deswegen noch intensiver lebt, und jeden Tag als wertvoll sieht, habe ich mich schon fast etwas schlecht gefühlt. Ich beobachtete mich vorher immer dabei, wie ich mit meinen »Probleme« kämpfte und nach Lösungen suchte, von denen ich dachte, dass man dahin käme durch genug nachdenken. Nach dem Gespräch mit Klaudia kamen mir meine »Probleme« marginal und närrisch vor. Ich habe tiefe Bewunderung für diesen Lebenswillen und vorallem Mut gehegt. Daraufhin habe ich gemerkt, wie reich ich bin und in welchem kompletten Überfluss sich mein Leben abspielt, trotzdem hat man seine Probleme die man über alles hütet und pflegt, um sich darin verlieren zu können und die einfachsten Dinge der Welt unnötig zu verkomplizieren.

Zweite Woche

Nach meinem Höhenflug der ersten Woche, erlebte ich ein Tief in der zweiten Woche. Das Wetter hatte sich verschlechtert und es kam vor, dass man komplette Etappen im Regen gelaufen ist. Die Sonne ließ sich selten blicken und warm war es auch nicht gerade. Mit dem schlechten Wetter und den Nassen Schuhen, kam auch die erste Blase, die kurz danach von einer weiteren Blasen am anderen Fuß jedoch genau an der selben Stelle. Ab und zu fragte ich mich »was mache ich hier eigentlich?«, ich könnte zuhause sein in meinem Bett mit einem Tee, neben einer warmen Heizung, weiter hat mich solches denken gerade nicht gebracht. Nur eins hat einen weiter gebracht, gehen. Also ging ich immer weiter und versuchte so gut es geht meine Gedanken still zu bekommen, teilweise war es schlimm und es hat sich alles mögliche da oben im Kopf abgespielt. In einigen Situation, total erschöpft und durchnässt, fing ich an mit mir selbst zu reden, oder den Kühen schlechte Witze zu erzählen, um mich selbst zu amüsieren. Ich weiß es klingt komisch, aber es hat oft geklappt. Man hat trockene Etappen und Tage die ab und zu dazwischen war sehr genossen. In dieser Woche kam es auch häufiger vor, dass ich mich Abends alleine gefühlt habe, es war kalt, das Umfeld war ungewohnt, ich hatte kaum Leute um mich herum, die Handvoll die man dann hatte, waren häufig Spanier in Gruppen, mit denen man sich selten unterhalten konnte. Jedoch habe ich in der Pilgerherberge von La Isla einen sehr interessanten Spanier namens Pablo getroffen. Da er einige Jahre in Amsterdam verbracht hatte, konnte er gutes English sprechen, was Unterhaltungen möglich gemacht hat. Er lief den Jakobsweg in die andere Richtung. Ab Frankreich wollte er dann per Anhalter nach Finnland trampen um sich dort ein Konzert anzuschauen. Das Ziel war es dann von Finnland, komplett zu Fuß, zurück nachhause, nach Spanien zu laufen. Pablo hatte keinen einzigen Euro bei sich und wollte das ganze ohne Geld fertig bringen. Er hat seinen Körper so weit, dass er alle zwei Tage nur eine Mahlzeit braucht. Er hatte keinerlei, Funktionsausrüstung, geschweige denn Wanderschuhe. Daraufhin fragte ich ihn ob er nicht nass werde, er erwiderte, dass ich es auch werde, auch wenn es eine Stunde länger dauert, nass werden wir beide. Seine Körperwärme hält ihn während des Gehens warm und so war es ihm möglich längere Strecken komplett nass zu laufen. Ich war fasziniert und lud ihn auf einen Café ein, daraufhin führten wir sehr gute Gespräche. Er erzählte mir von einer Eingebung die er mitten in der Nacht hatte. Er setzte sich in dieser Nacht an den Rechner und schrieb auf ein Blatt Papier auf wie die komplette Welt und das Universum funktioniert. Er beteuerte, dass er gar nicht das Grundwissen dazu habe, nur kam ihm die Botschaft einfach in den Sinn. Diese Formel des Universum schickte er an verschiedenen Nobelpreisträgern unter anderem auch Steve Hawkins, jedoch erzählte er mir, dass er kein Feedback bekommen habe. Dieses führte er auf darauf zurück, dass diese Menschen, an ihrem alten Weltbild festhalten wollen und diese bahnbrechende und extreme Formel, dass vorhandene Weltbild komplett zerstört. Pablo war mit einer der interessantesten Personen die ich kennen lernte, sein ruhiges und bescheidenes Wesen strahlte tiefen Frieden aus. Als ich einigen Leuten von Pablo erzählte, erwiderten sie »ja … wenn man die Zeit dazu hat so lange zu laufen …«. Als ich daraufhin antwortete, dass jeder die gleiche Menge Zeit zur Verfügung hat, erzählten sie mir wer denn das Geld verdienen soll und die Kinder ernähren soll. Meines Erachtens, sucht sich jeder sein Leben selbst aus. Man selbst entscheidet welchen Weg man einschlägt. Pablo ist das beste Beispiel dafür, das es nicht vieler Dinge bedarf um Wünsche zu verwirklichen. Jedoch halten viele ihre Arbeit, Kinder, Familie, Alter … als Vorwand und Ausrede, eine Art Schutzschild alá »ich würde so gerne, wenn ich könnte«. Meiner Meinung nach ist das nur eine weitere Ausrede mit der Verantwortung abgegeben wird. Das Lieblingsspiel der Menschen ist Verantwortung abgeben, weil viele unzufrieden sind mit dem wo und was sie, in diesem Punkt des Lebens sind. Vollste Verantwortung für jede Lebenslage und Situation zu übernehmen ist der einzig richtige Weg zur gewünschten Veränderung des Zustandes oder der Erfüllung und Umsetzungen seiner Vornehmungen.

 

Der zweite Teil des Beitrags folgt nächste Woche

Wenn ihr erfahren wolltet was mich dazu motiviert hat, könnt ihr den letzten Beitrag anschauen.

Mein Jakobsweg

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