Cruiser zum selber bauen

Cruiser zum selber bauen

Gerade im »Sommer« ist es ganz angenehm Strecken an der frischen Luft zurückzulegen. Wenn man nicht unbedingt Lust auf lange Fußwege hat, aber auch keine Lust drauf hat sein Rad überall mit herumzuschleppen, ist der perfekte Kompromiss ein Cruiser.

Im Grunde genommen ist’s ein Skateboard mit größeren weicheren Rollen und weichen Achsen zum schnelleren Lenken. Das Shape des Boards ist häufig eine Anlehnung an die Oldschool-Decks, welche man aus den Anfängen des Skateboardings kennt. Es dient ausschließlich dem Retro-Look.

Soweit so gut, ich bin in den Skateshop meines Vertrauens und hab mich mal umgeschaut nach so einem schicken Teil. Als ich die Preisetiketten alle durchhatte, habe ich nicht schlecht gestaunt. Ab 140€ ist man dabei, nach oben hin sind wie so oft kaum Grenzen gesetzt. Gerade weil die Dinger jetzt sehr angesagt sind, ob bei Skater, Longboarder oder Fashion-Victims als Accessoire. Nachdem ich mich einige Tage vom Preisschock erholt hatte, habe ich mich inspirieren lassen und mir vorgenommen selbst einen Cruiser zu bauen. Was heißt selbst bauen, mehr oder weniger zusammenkaufen und etwas Handwerkeln. Das Gute ist, dass man sich kreativ etwas ausleben kann und fast jedes Brett ein Unikat ist.

 

Mini Logo Lager, Shockpads, Achsschrauben, Wheels
Mini Logo Lager, Shockpads, Achsschrauben, Autobahn-Cruiserwheels

Benötigter Stuff:

  • altes Deck
  • alte Achsen
  • Achsschrauben
  • Cruiser Wheels
  • Kugellager
  • Shockpads

 

 

Deck mit der Zeichnung des Oldschool-Shapes
Deck mit der Zeichnung des Oldschool-Shapes

Deck
EIn altes Deck sollte kein Problem für die Skatet unter euch darstellen. Alle Nichtskater könnten mal im lokalen Skateshop freundlich fragen ob sie nicht eins-zwei alte Decks zu verschenken haben. Häufig zeigen sich Skateshops in dieser Hinsicht sehr kulant.

Achsen
Wenn ihr alte Achsen auftreiben könnt, ob eigene im Keller oder bei Freunden die skaten mal nachfragen, oder halt wieder im Skateshop, wäre das ein super Ersparnis. Ich habe zwei alte Tensor-Achsen gefunden die noch recht gut in Schuss waren.

Kugellager
Lasst euch keine teuren Kugellager andrehen, in der unteren Preisklasse werdet ihr eh keinen großen Unterschied in bei den Lagern spüren, lediglich die Haltbarkeit der Lager wird den Unterschied ausmachen. Wenn ihr das Board wirklich nur zum Cruisen benutzt, dann reichen Powell’s »Mini Logo« Bearings für ca. 12€ allemal aus. Wenn ihr während dem Cruisen den einen oder anderen Flip ziehen wollt und wisst, dass ihr euch tricktechnisch eh nicht zurückhalten könnt, empfehle ich euch die »Reds« von Bones für ca. 20€. Die dürften trotz Rumgedaddel, eine gesunde Lebensdauer aufweisen.

Cruiser Wheels
Ich habe extra »Cruiser Wheels« getippt anstatt Wheels, da hier der kleine aber feine Unterschied ist, der das Cruisen ausmacht. Cruiser Wheels sind in der Regel größer und weicher als herkömmliche Wheels. Durch die Größe rollt das Board schneller und weil die Wheels so weich sind leidet die Geschwindigkeit nicht so an rauen Bodenbelägen. Es gibt weniger Widerstand, dass macht das schnelle und flinke rumcruisen möglich. Ich habe mir Autobahn G-Series Wheels gegönnt. Durchmesser: 60mm, Härte: 78a,  die gab es gerade im Angebot für 30€.

Shockpads
Die Wheelgröße bestimmt letztendlich, die Höhe des Shockpads. Es sind kleine Gummistücke die zwischen Achse und Unterseite des Decks kommen. So hat die Achse keinen direkten Kontakt mit dem Deck. Das Shockpad sollte eine gewisse Höhe haben, sodass das Wheel beim harten Einlenken, keinen Deckkontakt hat. Das würde zum ungewollten abbremsen und stürzen führen. Meine Shockpads erhöhen sich etwas Richtung Boardmitte, grob genommen ergeben sie eine kleine Pyramide. Das dient der Agilität des Cruisers. Es ist möglich noch schneller und steiler einzulenken.

Achsschrauben
Je nach dicke der Shockpads braucht ihr lange bis sehr lange Achsschrauben. Wenn ihr auch Shockpads mit Neigung habt, könnt ihr es elegant lösen, indem ihr zwei lange und zwei normale Achsschrauben pro Shockpad habt. So hängen die schrauben nicht Zentimeterlang raus an der flachen Stelle des Shockpads.

Zusammenbau
Jetzt kommen wir zum zusammenbauen des Cruisers. Eigentlich gibt’s hier nur eins was man näher erläutern sollte. Das shapen des Decks. Ich bin mit dem alten Deck in den Skateshop gegangen und habe ein Cruiser-Deck, welches mir gefallen hat, über mein Deck gelegt und mit Kreide die Umrisse nachgezogen. Einzige Vorraussetzung hierbei ist, dass euer altes Deck größer ist als das Neue. Die Umrisse sollte man immer mal wieder nachzeichnen, da sie gerade auf dem Grip leicht abbröseln. Jetzt müsst ihr mit einer Stichsäge den Umriss entlang sägen. Kleine Beulen und Kanten sollten euch nicht traurig machen, die können später ausgefeilt werden. Außerdem verleihen gerade diese Unebenheiten und kleinen Beulen so einem Ding Charakter, ähnlich wie bei einem Menschen. Ich war positiv überrascht wie fresh das Deck nach dem Sägen war. Es sah so aus als hätte man gerade ein Old-School Deck frisch aus dem Skateshop erworben, ich muss zugeben, ich war schon etwas stolz auf mich.
Der Rest ist ziemliches normales Deck zusammenstellen. Achsen mit Shockpads ans Deck schrauben. Kugellager in die Wheels bringen und die Wheels an die Achsen.

Cruiser Primo Ansicht

Es ist schön sich was zusammen zu stellen, bei dem man selbst mitgewirkt hat. Noch schöner ist, es gleich auszuprobieren und das Resultat zu »erleben«. Ich persönlich habe nicht gedacht, dass es so gut rollt und so einen Riesenspaß macht.

Cruiser von unten

Häufig sieht mich der LIDL in meiner Nähe nur noch mit dem Cruiser. Ich heize auch gerne mal morgens zur Arbeit damit. Ich bin jetzt ein Rebelle geworden und fahre sogar auf der Straße mit dem Cruiser. Push paar mal mehr um den Bus zu bekommen und steige dann ein ohne meine Fahrkarte vorzuzeigen. In engen Fußgängerzonen seh ich es nicht ein abzusteigen vom Board und riskiere einen Frontalcrash mit den Fußgängern, Hauptsache die Leute sehen, dass ich Skater bin und nicht einer von ihnen. Ich bin ein dürstender, Gesellschafts- und Systemverachtender Außenseiter geworden. Der sich gegen jede Konvention stellt. Mein Leben hat sich seit meinem Cruiser komplett verändert, nicht ich Cruise mein Board, mein Board Cruist mich.

Viel Spaß beim Cruisen

 

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5 Kommentare zu “Cruiser zum selber bauen

  1. Gerade selbst nen Cruiser aus nem oldschool Deck gebaut, dass mir mein Dad in den Neunzigern mal aus den Staaten mitgebracht hat.

    Muss diesen Comment hinterlassen weil ich mich beim letzten Abschnitt deines Textes einfach gnadenlos weggeschmissen habe. Made my day!

    Cruise on

    Reply
    1. Ich weiß nicht mehr welche Marke es genau war. Jedenfalls solltest du drauf achten, dass sie nicht zu niedrig sind um Wheel Burns zu vermeiden (Wenn das Wheel beim starken lenken gegen das Deck kommt und du dementsprechend abbremst). Wie du auf dem Bild gut erkennen kannst, sind meine Schockpads auch schräg, sodass sie pyramidenförmig zueinander verlaufen, so kann ich schärfere Kurven nehmen und besser lenken. Bei den Schrauben ist drauf zu achten, dass sie lang genug sind, da dein Schockpad im idealfall ja auch eine gewisse Höhe hat.

      Die Wheels machen sich gut. Frag am besten im Skateshop nach und teile denen dein Vorhaben mit, aus dem Gespräch heraus werden Dir viele Fragen beantwortet. Viel Spaß beim bauen und cruisen!

      Reply
  2. Top Anleitung. Habe mich zwar nicht 100% dran gehalten. Hier ist das Resultat:
    http://imgur.com/5iY5hxE
    http://imgur.com/wxJQ0Ss
    http://imgur.com/8b2tawh
    http://imgur.com/X2irvsG

    Das meiste habe ich von alten Boards genommen. Achsen, Deck und Schrauben. Gekauft habe ich lediglich Kugellager und Shockpads die ähnlich sind, derer die du hier beschrieben hast. 🙂

    Empfehle noch eine Kutte zu kaufen und mindestens einen Aufnäher des Bezirks drauf zu nähen. Für beste Haltbarkeit Mama fragen…

    Keep rebellion alive! Man sieht sich auf der Straße

    Reply

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